Das größte Glück liegt zwischen den Meeren

Schleswig-Holstein, meerumschlungen, glücklich’ Land? Schenkt man einer neuen Studie Glauben, dann leben die zufriedensten Menschen in Deutschland ganz im Norden. Doch auch im Süden gibt es eine Region, die aufholt.

Von Sebastian Tittelbach, WDR

Die Deutschen sind so glücklich wie seit 15 Jahren nicht mehr – zumindest geht das aus dem “Glücksatlas 2016” der Deutschen Post hervor. Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt das “Glücksniveau” inzwischen bei 7,11 Punkten, knapp 0,1 Punkte mehr als im Vorjahr.

Professor Bernd Raffelhüschen, der den “Glücksatlas” erstellt hat, sieht darin einen deutlichen “Glückssprung”. Der Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg macht die gute wirtschaftliche Lage und die steigenden Reallöhne für die Entwicklung verantwortlich.

Schleswig-Holstein bleibt auch im sechsten Glücksatlas die zufriedenste Region Deutschlands und konnte seine Führung im vierten Jahr noch weiter aufbauen. Dort liegt der Glücksindex bei 7,41 Punkten.

Franken holt auf

Neu ist, dass der Norden Deutschlands nicht mehr allein an der Spitze steht, sondern der Süden aufholt. So setzt Franken seinen Aufwärtstrend fort und erreicht den zweiten Platz (7,22 Punkte) knapp vor Niedersachsen (7,22) und Baden (7,21). Hamburg fällt dagegen auf den sechsten Platz ab (7,20).

“Die Varianz innerhalb dieser westdeutschen Länder ist allerdings sehr schmal”, sagt Raffelhüschen. Die Regionen im Mittelfeld des Glücksrankings liegen nur wenige Punkte auseinander.

Während die Zufriedenheit in Westdeutschland insgesamt steigt, sind die Ostdeutschen etwas unglücklicher geworden. Der Abstand zwischen Ost und West wächst dadurch, in den Jahren zuvor hatte sich ihr Glücksniveau immer weiter angenähert. Dieser Aufholprozess sei etwas zurückgegangen, sagt Raffelhüschen: “Woran das liegt, darüber können wir nur spekulieren, denn auch die Realeinkommen in Ostdeutschland sind satt gestiegen.” Schlusslicht des Glücksatlas’ bleibt Mecklenburg-Vorpommern (6,77), knapp hinter Sachsen-Anhalt (6,78), Brandenburg (6,80) und Berlin (6,85).

In Gemeinschaft glücklicher

Thüringen hat sich zur glücklichsten ostdeutschen Region entwickelt und verzeichnet zusammen mit der Region “Nordrhein/Köln” den größten “Glückszuwachs”. Die Autoren der Studie machen vier Faktoren für die persönliche Lebenszufriedenheit verantwortlich. Menschen in Gemeinschaft sind tendenziell glücklicher, Krankheit und Arbeitslosigkeit sind dagegen Glückshemmnisse.

Und schließlich spielt die eigene Mentalität eine wichtige Rolle, ob man dazu neigt, Dinge eher positiv zu sehen. So bilden “Gemeinschaft”, “Gesundheit”, “Geld” und “genetische Disposition” die vier großen “G” der Glücksforschung.

Die positive Stimmung in Deutschland passt mit dem Trend in Europa zusammen. Laut den Daten des Eurobarometers für das Jahr 2015 bewerten die Europäer ihre Zufriedenheit höher als im Jahr zuvor. Mit ihrer Zufriedenheit verbessern sich die Deutschen im europäischen Vergleich um einen Platz und stehen nun an neunter Stelle. Spitzenreiter bleibt Dänemark.

Tolerante sind besser drauf

Die Meinungsforscher des Bonner Instituts dimap hatten zusätzlich Fragen zur kulturellen Vielfalt in Deutschland gestellt und kommen zu dem Schluss, dass tolerante Menschen die zufriedeneren sind.

Die Befragten in Ostdeutschland sehen das Thema Einwanderung insgesamt skeptischer. “Wir haben das darauf zurückgeführt, dass es im Westen immer noch mehr Berührungspunkte mit Internationalität gibt”, erklärt Florens Mayer von dimap: “Je mehr Kontakt ich mit einer Person habe, die nicht in Deutschland geboren wurde, desto toleranter gehe ich damit um.” 75 Prozent der Befragten sehen Deutschland als weltoffenes und tolerantes Land. Allerdings glaubt nur die Hälfte, dass das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft alles in allem gut funktioniere.

Qelle: http://www.tagesschau.de/inland/gluecksatlas-101.html

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