Russland erwägt Tötung von 250.000 Rentieren

Anthrax-Gefahr
Nach den Milzbrandfällen im Norden Russlands schlägt der Gouverneur der Region vor, vorsorglich 250.000 Rentiere zu töten. Die Erreger stammen vermutlich von einem alten Friedhof – Tausende Rentiere sind bereits tot.

Um die Anthrax-Gefahr in Nordrussland zu bannen, zieht die Verwaltung der Region eine radikale Maßnahme in Betracht. Auf der Halbinsel Jamal und dem Festland davor leben mehr als 700.000 Rentiere. 250.000 davon könnten demnächst getötet werden, berichtet der “Guardian”. Diesen Vorschlag machte demnach Dmitrij Kobylkin, der Gouverneur des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen.

In den vergangenen Monaten war erstmals seit 75 Jahren in der Region im Norden Russlands Milzbrand ausgebrochen. Ein zwölfjähriger Junge starb an dem hochgiftigen Anthrax-Erreger, nachdem er damit infiziertes Rentierfleisch gegessen hatte. Mehr als 70 Menschen wurden mit Milzbrandverdacht in Krankenhäuser gebracht. Mehr als 2300 Rentiere starben oder wurden getötet. Laut russischen Medienberichten sind auch mehrere Hunde gestorben.

Die Region Jamal-Nenzen galt seit 1941 als Anthrax-frei. Experten glauben, dass die im Sommer herrschenden ungewöhnlich hohen Temperaturen den Permafrost zum Schmelzen gebracht haben, in dem die tödlichen Sporen über mehr als ein Jahrhundert konserviert waren.

“Zombie-Krankheit”

Ein möglicher Infektionsherd könnte ein historischer Friedhof sein. Das dort lebende indigene Volk bestattet seine Toten traditionell in Holzsärgen und vergräbt diese nicht, weil der Boden früher tief gefroren gewesen ist. Aufgrund des Klimawandels sinke die Temperatur in der Region aber längst nicht mehr in extreme Bereiche, hieß es. Wegen der mutmaßlichen Herkunft der Erreger von einem Friedhof war auch von einer “Zombie-Krankheit” die Rede.

Milzbrand oder Anthrax ist eine bakterielle Infektionserkrankung, die meist Tiere in Afrika, Asien und Teilen Europas befällt. Gefährdet sind vor allem Paarhufer wie Rinder. Menschen in Industrieländern sind äußerst selten betroffen. Der Erreger verbreitet sich durch seine Sporen, eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich.

In Deutschland gab es den letzten Fall von Hautmilzbrand bei einem Menschen im Jahr 1994, berichtet das Robert-Koch-Institut.

Quellen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/russland-will-250-000-rentiere-wegen-anthrax-gefahr-toeten-a-1114684.html

https://www.youtube.com/watch?v=iAhfpnU6v3g&feature=youtu.be