Einmal Oslo und (bald) zurück

Also Oslo ist, für die die es nicht wissen die Hauptstadt von Norwegen. Das Land der Fjorde, Wasserfälle, Gletscher, Berge, Trolle, Ski, Holzhäuser usw. Vieles davon kann man in Oslo auch finden. Es ist eine unglaublich lebendige Stadt (etwa so groß wie Dresden) die Unmengen zu bieten hat. Es gibt ewig viele Museen, Cafes, Bars etc. und ich hab bis jetzt erst ein paar geschafft. Es gibt allein schon mindestens 6 Museen für Kunst/Design/Architektur und dann gibt es noch tausend andere. Eintritt frei natürlich! Kultur und Design wird hier sehr groß geschrieben.

diashow

Am Hafen, wo ich am liebsten bin, liegen all die süßen kleinen Fischerboote und hölzerne Segelschiffe bis hin zu riesigen Fähren. Mitten am Hafen ist die “Akerhus Festning”, wie der Name vermuten lässt eine alte Festung. Superschön. Ein idealer Platz, um die Sonne zu genießen und während dessen das Hafentreiben zu beobachten. Unweit entfernt davon liegt das königliche Schloss, welches den Norweger ziemlich heilig ist. Hier kann man ein Stück norwegischer Mentalität entdecken. Es gibt keine Zäune oder Absperrungen, einzig und allein 2 Wachen vor dem Haus, die wahrscheinlich mehr dem optischen Zweck dienen. Das soll allerdings nicht heißen, dass in Oslo alle Türen offen stehen. Meistens kommt man nur mit einer Karte und einem Code in bestimmte Gebäude hinein. Ich habe eine für das Studentenwohnheim, eine für meinen Flur und zwei für die Schule. Dann noch die Karte für die Waschmaschine, für die Bibliothek und schon ist das Portemonnaie voll.
Nun wieder zurück zum Schloss..
Die Menschen in Oslo sind alle überaus höflich und freundlich. Zum Glück sprechen eigentlich alle Englisch. Die Ausländerzahl liegt nach Angaben der Behörden bei 20%. Ich würde aber auf mindestens 40% tippen. In den “Narvesen Shops” (Kiosk) arbeiten nur Ausländer, die Straßenbahn (trikk) oder Busse fahren eigentlich nur Inder u.s.w. Aber in Norwegen stellt das kein Problem dar. All die Ausländer sind meistens völlig integriert und ich hab noch nie einen getroffen der kein Norwegisch sprach – außer uns internationale Studenten.
Überhaupt läuft in Norwegen alles relaxter ab. Der Job ist hier nur ein Job und es wird viel Wert auf Familie gelegt. Man sieht auch sehr viele Schwangere oder Frauen mit Kinderwagen, wie sonst wahrscheinlich nirgendwo. Sonntag ist der Tag, an dem die Norweger mit der Familie auf “Touren” gehen. Ob Sommer oder Winter – Oslo jede Menge zu bieten.

Ich studiere hier an der “Kunsthøgskolen i Oslo”, im Studiengang “visuell komunikasjon”, auch wenn ich finde, dass sie es in Grafikdesign umbenennen sollten. Denn fast alle meiner Kommilitonen (es sind ganze 12 an der Zahl) sind in Richtung Illustration unterwegs. Was mir ja nun mal gar nicht so liegt, weshalb ich auch manchmal nicht ganz so glücklich mit den Themen bin. Hier gestalten alle mehr frei aus dem Bauch heraus. Alles ist bunt und schrill. Das sieht man auch schon an meinem Klassenraum. Dieser ist mir etwas zu überladen, ich finde es ein wenig erdrückend vor solchen vollgeknallten Wänden zu sitzen. Aber das ist eben ihr Stil. Was das Design angeht würde ich sagen, dass sie sich hier zum Teil echt auf hohem Niveau bewegen. Manche Arbeiten sind echt der Hammer!
Montags haben wir in den meisten Fällen eine Projekteinführung. Man kann sich hier keine Projekte auswählen. Es gibt einen Plan fürs Semester und meist wöchentlich neue Themen. Fast immer bedeuten neue Themen auch neue Lehrende, die auch oft aus der freien Wirtschaft kommen. Das ist echt toll, Feedback von Leuten zu bekommen, bei denen man sich später eventuell bewirbt. Ach wo ich gerade bei dem Thema Bewerbung bin, nur schnell eines: jeder Designer, der sich in Norwegen bewirbt, bekommt eigentlich immer zwischen 10 und 30 Minuten Zeit, seine Mappe zu präsentieren! Nichts mit hinschicken und auf Antwort warten!
Also wir haben jedenfalls ca. eine Vorlesung pro Woche, zu der alle Design-Studenten der Fakultät kommen können. Zumeist stellen sich da Designer, Grafiker etc. aus aller Welt vor und präsentieren ihre Arbeit. DER HAMMER!!!!
Ansonsten ist es hier üblich, dass alle die ganze Woche im Klassenraum sitzen und arbeiten. Das fiel mir am Anfang relativ schwer, zumal man auch in die Gruppe der Studenten nicht wirklich reinkommt. Man steht irgendwie immer außen vor. Wenn man etwas fragt sind selbstverständlich alle super nett und höflich, aber weiter kommt man halt nicht. Sie unterhalten sich alle immer auf Norwegisch und da ich es nicht verstehe, ist es ziemlich schwer sich an den Gesprächen zu beteiligen. Ja, da sind wir auch schon bei meinem Hauptproblem: die Sprache. All meine Vorlesungen, Projektvorstellungen und Präsentationen sind auf Norwegisch. Das heißt im Klartext: ich verstehe kein Wort. Also bleibt es bei Unterhaltungen meist in Englisch.
Ich wohne zusammen mit 14 anderen Studenten auf einer Etage in einem kleinen Hochhaus am Rand der Innenstadt. Wir teilen uns eine Küche und ein Bad. Man kann sich vorstellen, wie es dort aussieht. Naja mir ging es wie den meisten anderen auch. Am ersten Tag hat man erstmal einen Schock bekommen: von Zimmer, Haus und Bad. Aber es ist aber für norwegische Verhältnisse mit ca. 250,- für ca. 12m² echt billig. An den Rest muss man sich eben gewöhnen.

Leider ist die Zeit viel zu kurz um sich richtig einzuleben, da es in Norwegen so viel zu entdecken gibt, so dass man einfach nicht alles in einem Semester schafft. Also in dem Sinne:
Gø før det er for sent! Vi snakke oss!

vennligst hilsen
Kati

ein Beitrag von Anika und Julia